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Es gibt Flughäfen. Und es gibt Tegel.

22. Mai 2008 by DonRobodroid

Yours Truly ist zwar nicht so der Vielflieger, aber ein paar Flughäfen kennt er schon und war bislang auch immer mehr oder weniger zufrieden mit den dort angebotenen Leistungen. Bis er vor ein paar Tagen von Berlin-Tegel abfliegen durfte.

Normalerweise hat eine Fluglinie ein festes Terminal und dort ihren Ticketverkauf, Eincheckschalter usw. Nicht so in Tegel. Dort werden die Checkin-Schalter anscheinend dynamisch verteilt, je nach Wetter, Lust und Laune oder sonstigen für den Laien unerklärlichen und undurchsichtigen Kriterien. Daran könnte man sich zwar eventuell gewöhnen, wenn nicht… doch der Reihe nach.

Unser Flug sollte um 18:36 von Tegel abgehen und da wir unser touristisches Programm in Berlin eigentlich schon abgeschlossen hatten bzw. ein neues Ziel wegen der zur Verfügung stehenden Zeit sich nicht mehr rentierte, waren wir schon gegen 17 Uhr am Flughafen. Entgegen der sonst üblichen Haltung „Fragen? Ein echter Mann fragt nicht nach dem Weg!“ ging ich sofort zur Info und fragte:

Yours Truly (Y.T.): „Guten Tag. Wo sind denn hier die Checkin-Schalter der Lufthansa?

Info-Mann (I.M.): „Das kann ich Ihnen so nicht sagen. Welcher Flug in welche Stadt um wieviel Uhr?

Y.T.: „Äh. Nürnberg, 18:36.

I.M. (häckert in seinen Computer, hebt den Kopf, um durch die Nahsichtlinsen seiner Brille auf den Monitor zu schauen): „Gate A14. Da gehen Sie hier Links, bis ganz vorne und und dann rechts.

Y.T. (denkt: Gate? Ich will doch noch nicht abfliegen, erstmal nur einchecken?): „Äh, ja, danke sehr.

Inzwischen war die Familie aber schon rechts weitergegangen, also blieb mir nichts anderes übrig, als hinter ihnen herzustiefeln. Terminal A ist ein Rundbau, also konnte nichts passieren, man würde auf jeden Fall an diesem Gate A14 vorbei kommen. Wir beschlossen aber ob der Verwirrung Checkin/Abflugschalter trotzdem, noch einmal jemand Anderen zu fragen, und so schnappten wir uns eine Flughafenmitarbeiterin, die gerade aus einer Tür kam.

Y.T.: „Hallo, Entschuldigung, könnten Sie uns bitte sagen, wo wir für den Lufthansaflug nach Nürnberg einchecken können?

Mitarbeiterin (M.A.): „Nein. Das wechselt bei uns ständig. Aber schauen Sie, da vorne hängen Bildschirme, auf denen Sie nachschauen können.“ Zeigt auf eine Wand voller Computermonitore. „Wissen Sie was? Ich gehe gleich mal mit, dann können wir ja zusammen schauen. Ich muss sowieso in diese Richtung.

Y.T. (denkt: Hey,  eine nette Person, sowas gibt’s also auch!): „Ah, vielen Dank!

Zusammen gingen wir zu der Monitorwand und suchten nach dem Flug. Hier stand zu lesen: 18:36 – LH333 – Nürnberg – A14. Also war wohl wirklich was dran an dem Gate A14. Nachdem wir uns von der freundlichen Mitarbeiterin verabschiedet hatten, zogen wir weiter. Klar, dass wir natürlich bei der falschen Seite angefangen hatten und so befanden wir uns erst bei Gate A4. Aber zum Glück hatten wir alle mit Rollen bewehrte Trolleys, die sich kinderleicht hinterherziehen lassen, und so umrundeten wir Terminal A voll frohen Mutes.

Gegen 17:10 erreichten wir dann auch tatsächlich Gate A14 und es flimmerte auch wirklich das bekannte Lufthansa-Logo auf dem Bildschirm, jedoch prangte lediglich „17:25 Stuttgart“ darunter und genau eine Schaltertante verrichtete irgendwelchen Papierkram.

Y.T.: „Schönen guten Tag, können wir hier unser Gepäck für den Flug nach Nürnberg einchecken?

Schaltertante (S.T.): „Nein. Ich habe hier nur Stuttgart.

Y.T.: „Äääh. Man hat uns aber versichert, dass Nürnberg hier von Gate A14 abgeht?

S.T.: „Ja, schon. Aber der Schalter ist noch nicht geöffnet. Die Kolleginnen kommen aber erst in ca. einer halben Stunde.

Y.T. (denkt: WTF?!): „Äh, danke.

Nun ist es aber so, dass sich an den Gates im Terminal A praktisch keinerlei Wartezonen befinden, lediglich die Schalter von Autovermietungen oder kleine Geschäfte. Sprich: sich zwecks Warten irgendwo hinsetzen ist nicht. Der Hals schwoll spontan an, aber was sollte man da schon tun? Nachdem aber auch auf einer kleinen Anzeigetafel über dem (temporären) Lufthansa-Schalter der LH333-Flug angeschrieben war, stellten wir unsere Trolleys in die durch Bänder eingegrenzten Anstellschlangenbereiche und richteten uns auf eine halbe Stunde Warten im Stehen ein.

Nach ungefähr fünf Minuten kam ein typischer Geschäftsreisender an den Schalter und fragte:

Geschäftsreisender (G.R.): „Geht hier nicht der Flug nach Nürnberg weg?

S.T. (genervt): „Doch. Warum?

G.R. (nach oben zeigend): „Weil der Flug nicht aufgelistet ist.

S.T.: „Moment, ich schau mal nach.“ Hantiert an ihrem Computer, schaut auf den Monitor, hantiert, schaut, hantiert, schaut, greift zum Telefon, telefoniert. „Ah ja, der Flug ist gerade eben umgelegt worden, nach Terminal D.

Tegel. Terminal D. Wartebank.

Tegel. Terminal D. Wartebank.

Mit schneller weiterschwellendem Hals packten wir also unser Gepäck und das Kindsvolk, suchten eine Anzeigetafel und dort das neue Gate: D72 hieß es dann. Zum Glück grenzt Terminal D aber direkt an Terminal A, so dass wir nach nur kurzem Fußmarsch an unserem Zielort einlaufen konnten. Und, welch ein Wunder, dort hatte man sogar freundlicherweise Wartebänke aufgestellt. Zwar nur mit 12 Plätzen und die Passagiere eines voll ausgebuchter Ferienfliegers warteten ebenfalls auf ihr Check-In, aber immerhin. Man muss sich ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden geben.

Aber daran gewöhnen werde ich mich sicherlich nicht. Zumindest nicht so schnell.

Fazit: Wer von Tegel abfliegt, sollte also wirklich erst zur angegebenen Check-In-Zeit dort auftauchen oder, wenn sich ein früheres Eintreffen nicht vermeiden lässt, einen Klappstuhl mitbringen. Dass die Mitarbeiter dort zum Teil sehr genervt sind, ist auch verständlich, denn bei diesem sich bietenden Chaos ist es sehr schwer, gelassen zu bleiben – schließlich lädt sich der Unmut der odyssierenden Passagiere auf ihren Schultern ab.


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