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Von eisernen und grünen Männchen.

20. Juli 2007 by DonRobodroid

Neulich nahm ich an einem großen Grillfest/Usertreffen, TTT™ genannt,  eines Internetforums (www.3dmax.de und www.t-t-t.org) teil.

Das Fest fand an einem Samstag abend auf dem Lohrberg bei Frankfurt statt, und weil mir das Übernachten unter freiem Himmel auf meine alten Tage immer schwerer fällt, hatte ich ein Zimmer in einem Hotel im benachbarten Ort genommen.

So weit, so gut. Das Fest war berauschend, das Hotelzimmer exzellent, der Schlaf tief und fest.

Was ich jedoch nicht bedacht hatte, war, dass genau am nächsten Morgen der Ironman Frankfurt stattfand. Und das bedeutet Ausnahmezustand in Frankfurt und Umgebung: Viele Straßen sind gesperrt, Hundertschaften von Polizei und anderen Hilfs- und Rettungskräften sichern die nicht unbeträchtlichen Strecken. Nachdem noch dort gebliebene Mitfeiernde und Gerätschaften vom Lohrberg abzuholen waren, machte ich mich mit ein paar Kollegen vom Hotel aus auf den Weg dorthin. Im Auto.

Um es vorweg zu nehmen: Wir waren vier Teams – zwei davon benötigten ungefähr eindreiviertel Stunden (einhundertundfünf Minuten), um die knapp 4,5 km zu überwinden, eins parkte am Fuß des Berges und ging zu Fuß nach oben (und war somit lange vor allen anderen am Ziel) und eins schaffte es gleich gar nicht. Denn ausgerechnet die Autobahnausfahrt sowie die mehr oder weniger einzige offizielle Straße, die zum Lohrberg führt, waren Teil der Radfahrstrecke des Ironman-Wettbewerbes und somit abgesperrt.

Nicht ganz, nein, aber so, dass man nicht auf die andere Seite wechseln konnte. Dummerweise war die leicht erreichbare Seite diejenige, die vom Lohrberg wegführt, wohingegen die Seite, die dorthin führt, nur für Einheimische mit guten Ortskenntnissen zu erreichen war. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, auf die richtige Seite zu kommen, merkten wir eigentlich recht schnell, wie fruchtlos unsere Bemühungen waren und wir beschlossen, jemanden zu fragen, der sich auskennt und uns bestimmt gerne helfen würde: einen Polizisten.

Dass dies ein Fehler war und zu einer Odyssee durch halb Südhessen führen würde, konnten wir trotz aller Vorurteile nicht ahnen. Doch der Reihe nach:

Tim, der Fahrer unseres Teams, erspähte einen in Beobachtungsposition geparkten Polizei-Van an einer Aral-Tankstelle und fuhr sofort raus.

Tim: „Ich muss zum Lohrberg! Können Sie mir bitte sagen, wie ich da hin komme?“
Pol.: „Sie müssen nicht, Sie wollen.“

Charming.

Tim, ob der Freundlichkeit des Pol. bereits alarmiert: „Ich will nicht, ich möchte! Aber wie komme ich denn nun dahin?“
Pol.: „Ganz einfach. Sie fahren an der nächsten Kreuzung zurück zur Autobahn, eine Ausfahrt weiter, und kommen von da ganz einfach zum Lohrberg.“
Tim: „Danke.“

Wir also über div. Rückwege zurück auf die Autobahn, eine Ausfahrt weiter und nach 20 Minuten waren wir dann in Bad Vilbel. Von dort würde zwar auch eine Straße zum Lohrberg führen, aber die wäre auch wieder auf der falschen Seite, und war sowieso komplett gesperrt, wegen des Ironman. Folge: Handbremse rein, 180° Wendung und wieder zurück auf die Autobahn Richtung Frankfurt. Die Ausfahrt genommen, die unserem Gefühl eine VOR der normalen Lohrbergausfahrt war, ein wenig rumgekurvt, in verdächtig bekannt aussehende Straßen eingebogen und, keiner hätte es vermutet, wieder am PolizeiVan mit unserem freundlichen grünen Freund gelandet.

Von düsteren Vorahnungen bereits leicht entnervt kaufte ich im Tankstellenshop einen Falkplan von Frankfurt (schön zum Blättern, nicht zum Falten – aber das wäre ein anderer Blogeintrag) und ging mit diesem und Tim bewaffnet zu unserem Freund.

Pol.: „Ach, ihr schon wieder.“
Ich: „Ja, schönen guten Tag. Wir möchten ja zum Lohrberg, und eben hat das nicht so richtig geklappt. Könnten Sie uns bitte den Weg hier auf der Karte zeigen?“
Pol.: „Das ist zu kompliziert, das merkt ihr euch eh nicht.“
Tim: „Versuchen könnten Sie’s ja trotzdem bitte!“
Pol.: „*knirsch* Also gut, gebt mal her.“

Schnell stellte sich heraus, dass mit der „nächsten Ausfahrt“ die in der anderen Richtung gemeint war, und nach länglichen Hin- und Hergefahre (mit dem Finger auf der Karte) und knappen Richtungsänderungsanweisungen bedankten wir uns artig und stachen erneut in Teer. Die div. Rückwege wurden natürlich auch wieder befahren und dieses Mal wählten wir die andere Richtung auf der Autobahn. Nächste Ausfahrt raus, und nach länglichem Hin- und Hergefahre (mit dem Auto auf der Straße) waren wir dann doch tatsächlich am…

…Hotel.

Hysterisches Gelächter. Verzweiflung. Raufen der sowieso schon schütteren (<- Euphemismus!) Haare. Anflug von Panik. Zusammenreißen. Zurück auf die Straße nach Frankfurt.

Dort dann an einer anderen Tanke einen ortskundigen Fahrer befragt und die Straßenkarte vorgelegt. Knappe, präzise und leicht verständliche Anweisungen bekommen. Dieser nette Mensch war sogar so freundlich, uns noch ein Stück zu leiten, und, was soll ich sagen? Plötzlich fanden wir uns wieder im Angesicht des…

…Polizei-Vans.

Aber diesmal kam kein negativer Gedanke auf, befanden wir uns doch auf der ANDEREN Seite der Straße, in der Richtung, die geradewegs zum Lohrberg führt. Unter lautem Gejohle und Bezeigungen zumeist freundlicher Gesten in Richtung Grünentransporter donnerten wir auf der Zielgeraden in Richtung Horizont, an dem der Lohrberg bereits unter der Mittagssonne glühte.

Aufgeräumt hatten die freundlichen Kollegen, die dort übernachteten, bereits, so dass uns nur noch ein freundschaftliches Aufwiedersehensagen und Geräteschaftenwegschleppen blieb.

Fazit:

  • NIE wieder ohne Navi zum TTT™
  • NIE wieder einen Polizisten nach dem Weg fragen
  • NIE wieder den TTT™ abhalten, wenn IronMan ist.

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